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Sehen Sie nicht auf mich (Premiere : 14. April 1989 in der Zigarrenfabrik Gießen), Mal sehen, was dabei rauskommt (7. Mai 1990 im Ulenspiegel-Kleinkunst im Zentrum, Gießen) und Pump It Or Lump It (28. April 1991 am Stadttheater Gießen ) hießen die drei abendfüllende Programme choreografiert von Rolf Gildenast und getanzt von den 'Freunden' in verschiedenen Besetzungen, mit denen wir regelmäßig die Reise nach Marburg, Lich, Fulda, Hungen und zu diversen Spielorten innerhalb Gießens unternahmen.



Rolf Gildenast, Joanne Sawyer, Hugo Deane, Juliette Pearce, Qu Ping
bildeten das Team '90



Tanz zwischen Umsetzung und Parodie von Musik

Mal sehen, was dabei rauskommt", wenn junge Ballett-Talente des Gießener Stadttheaters gemeinsam in einer Show mit dem weltberühmten Mikhail Baryshnikow auftreten... Um die Antwort zu finden, zog es am Mittwochabend zahlreigierige in das Kino Traumstern. Selbstverständlich unterschied sich die Anwesenheit der Künstler in einer Kleinigkeit:Während die ersten drei Tänzer sich experimentell und live auf der Bühne vor der Leinwand präsentierten, sprachBaryshnikow das letzte Wort auf eben dieser.

"Mal sehen, was dabei rauskommt", wenn Olga Wenze und Hugo Deane einen Pas de Deux zu den Freejazz-Klängen des DDR- Duos Schmidt-&Huke vollführen. Heraus kam eine eigenwillige Kombination von fließendem Tanz und pointierter Bewegung. Durch ein skurriles Tanzspiel regten die ausdruckskräftigen Akteure die Fantasie der Zuschauer an. Dabei wechselten Bilder, ehe dieser sich versah: Während die Tänzer eben noch ihre Körper einsetzten, um sie zum Medium, zur optischen Umsetzung des schillen Gitarrentons zu machen, gingen sie bald in eine pantomimische Parodie der Musiker über. Während Olga Wenze eben noch von ihrem Partner zu Boden getanzt wurde, damit er in männlicher Siegerpose auf ihrem Rücken stehen konnte, wurde sie gleich darauf zum Floß, auf dem er sich fortbewegte. Groteske Übertreibungen kitzelten etliche Lacher aus den angesteckten Zuschauern. Entspannung gab es erst wieder, als das Paar unter Tangoklängen zum Ende kam.

"Mal sehen, was dabei rauskommt", wenn Rolf Gildenast ein indisches Solo zu den meditativen Klängen Ravi Shankars tanzt. In einer zaghaft beginnenden, sich bis zum Explosiven steigernden Choreographie suchte der Tänzer eine "indisch anmutende Bewegungssprache zu finden". Man kann getrost sagen: Er fand sie und überzeugte durch pointierte Körperisolation und kontrastive Bewegungsformen, in denen sich Entwicklungen von der Nacht zum Tag, von der Dürre zum Regen oder von der Verzweiflung zum Aufatmen erzählen ließen.

"Mal sehen, was dabei rauskommt", wenn alle drei Akteure zum Schluß noch einmal zusammenkommen, um über den eigenwilligen Stil der ersten Stücke noch einen Schritt weiter zu gehen. "Ein Grab in den Lüften. Da liegt man nicht eng", so beschreibt der makabre Titel den Todesreigen in einem Konzentrationslager nach Paul Celans "Todesfuge". Um den eisigen Hauch von Verzweiflung und Agonie in den Zuschauerraum zu übermitteln, waren zunächst keine Klänge nötig. Sensible und doch kräftige Bewegungen, hervorragende Mimik - die Bilder sprachen für sich, bevor die schweren Klaviertöne Schostakowitschs einsetzten und die Tänzer dabei begleiteten, wie sie die Erlösung der Gequälten nachempfanden. Nach diesem experimentellen Teil kam abschließend zur Ernüchterung ein wenig Klassik auf die Leinwand. Die Ballettfilm-Schnulze "Giselle" mit dem genialen Baryshnikov bildete zu dem Gehabten einen kaum überbietbaren Kontrast. Die Kicherer unter den Zuschauern zeigten: wie vergänglich der Begriff von einer Ästhetik ist, die einst keine Götter neben sich dulden wollte.
(Gießener Anzeiger vom 6.4.1990)
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